Direkt zum Inhalt

Wissenschaftsausschuss: Neue Hausärzte braucht das Land

Anhörung: NRW-Gesundheitsminister und weitere Experten nehmen Stellung zur Landarztquote

22.10.2018 - Immer weniger Hausärzte arbeiten auf dem Land. Denn die Ärzte werden älter und der Nachwuchs fehlt. Daher diskutiert der rheinland-pfälzische Landtag über Stipendienprogramme für Medizinstudierende und die Einführung einer Landarztquote. Der Wissenschaftsausschuss hatte zu dieser Problematik in seiner vergangenen Sitzung Experten zu einer Anhörung eingeladen.

Mit der Quote könnten bis zu zehn Prozent der Medizin-Studienplätze in Rheinland-Pfalz an Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, nach ihrer Facharztausbildung für bis zu zehn Jahre in einer unterversorgten Region als Hausarzt zu arbeiten, heißt es in einer Mitteilung des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums zur hausärztlichen Versorgung vom 28. September dieses Jahres (https://msagd.rlp.de/de/service/presse/detail/news/detail/News/landarzt-offensive-baetzing-lichtenthaeler-und-professor-dr-wolf-stellen-konzept-vor/).

Nordrhein-Westfalen bekommt die Landarztquote

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann erklärte, in Nordrhein-Westfalen komme die Landarztquote definitiv. „Ich kann nicht verantworten, dass es in ländlichen Gegenden keine guten Hausärzte gibt“, betonte Laumann. In Nordrhein-Westfalen sei ein zweistufiges Bewerberverfahren vorgesehen. Nicht nur die Abiturnote, sondern auch berufliche Erfahrungen im Gesundheitsbereich sollen dann bei der Studienplatzvergabe berücksichtigt werden, erläuterte Laumann. Auch Gerhard Nordmann, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, steht für die Landarztquote ein, weil die Hausarzt-Situation in Westfalen-Lippe die Quote verlange.

Kritik an Landarztquote

Professor Michael Jansky, Direktor des Zentrums für Allgemeinmedizin der Unimedizin in Mainz und selbst Landarzt, sieht die Landarztquote skeptisch, weil sie eine Verpflichtung für die Studierenden darstellt. Die meisten Medizinstudierenden entschieden sich erst am Ende ihres Studiums, in welche Richtung sie später gehen wollen. Schon so viel früher eine Entscheidung zu treffen, sei schwierig.

Auch Günther Matheis, Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, beleuchtete die Landarztquote kritisch. Besonders schwierig findet er die „Konditionalstrafe“, mit der Studenten sich von ihrer Verpflichtung, später als Landarzt zu arbeiten, „freikaufen“ könnten. Für Matheis entsteht so die Gefahr einer Zweiklassengesellschaft. Auch Peter Heinz, Vorsitzender des Vorstands der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz, steht der Quote skeptisch gegenüber. Der Arztberuf sei ein freier Beruf. Das solle nicht durch „panischen Aktionismus der Politik“ gefährdet werden.

Mainzer Unimedizin ist offen für Maßnahmen

Professor Ulrich Förstermann, wissenschaftlicher Vorstand der Unimedizin Mainz, betonte, dass die Landarztquote nur als eine von vielen Maßnahmen funktionieren könne. Die Mainzer Unimedizin sei grundsätzlich offen für neue Wege. Gabriele Hörl, Abteilungsleiterin im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, berichtete, dass sich auch in Bayern eine Überalterung der Ärzteschaft und ein Nachwuchsmangel abzeichneten. Daher gebe es verschiedene Förder- und Stipendienprogramme, die sehr erfolgreich liefen. Ihre Erfahrung zeige, dass junge Leute kein Problem haben, im ländlichen Raum zu arbeiten.

 
  zum Seitenanfang
Übersicht der TastaturkürzelAktuellesDokumente