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Der Klassenrat als Lernort der Demokratie

Sechs Klassen wurden bei dem neuen Landeswettbewerb #UnserKlassenrat Rheinland-Pfalz im Landtag ausgezeichnet

Klasse 6c der Georg-Forster-Gesamtschule Wörrstadt - Foto: A. Linsenmann
Klasse 6c der Georg-Forster-Gesamtschule Wörrstadt - Foto: A. Linsenmann
15.06.2018 - Demokratie muss gelernt werden, denn Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Darüber waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der ersten Preisverleihung des neuen Landeswettbewerbs #UnserKlassenrat im Plenarsaal des rheinland-pfälzischen Landtags in Mainz einig. Denn bewusste und kompetente demokratische Bürgerinnen und Bürger sind Voraussetzung für das Funktionieren der Demokratie. Dabei ist der Klassenrat ein geeignetes Format, um Demokratie in der Schule zu lernen und zu leben. Das zeigten heute auch die Preisträgerinnen und Preisträger auf eindrucksvolle Weise.

Die Preise wurden von Landtagspräsident Hendrik Hering, vom Staatssekretär im Ministerium für Bildung Hans Beckmann und vom Referenten für den Bereich Klassenrat im Pädagogischen Landesinstitut Benjamin Speth überreicht. Zuvor nahmen sie zusammen mit den eingeladenen Schülerinnen und Schülern an einer Klassenratssitzung dort teil, wo sonst das Landesparlament debattiert.

Landtagspräsident Hendrik Hering ist es besonders wichtig, Kinder so früh wie möglich für die Demokratie zu begeistern und ihnen zu vermitteln, was Demokratie eigentlich bedeutet: nämlich mitmachen, mitreden und mitentscheiden. „Der Klassenrat vermittelt hierfür den Kindern schon in der Grundschule das nötige Rüstzeug und macht sie zu Botschaftern der Demokratie. Ich bin mir sicher: je früher wir anfangen, für Kinder und Jugendliche Demokratie erfahrbar zu machen, desto größer wird ihre Bereitschaft sein, sich in der Gesellschaft zu engagieren und ihre demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten auch aktiv einzufordern. Der neue Landeswettbewerb ist deshalb auch ein Beitrag zur Stärkung unserer Demokratie“, betonte der Landtagspräsident.

Im Klassenrat beraten, diskutieren und entscheiden Schülerinnen und Schüler von der ersten Klasse bis zum Schulabschluss, – zunächst unter Anleitung, dann immer selbstständiger – über ihre eigenen, selbst gewählten Themen. Dabei kann es um Konflikte in der Klasse gehen, aber auch um Themen wie Schultoiletten oder den Umfang von Hausaufgaben. Im Klassenrat werden Verhaltensregeln für die Klasse aufgestellt und eigene Projekte geplant und organisiert, wie z.B. Aufführungen, Ausflüge oder Anschaffungen. Um dieses Format der Demokratieerziehung noch bekannter zu machen, richten der Landtag Rheinland-Pfalz und das Ministerium für Bildung gemeinsam mit der Koordinierungsstelle „Demokratie lernen und leben“ des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz diesen neuen Landeswettbewerb zum Klassenrat aus.

„Im besten Fall fördert der Klassenrat neue Ideen zutage, weil Kinder Freiraum für ihre Wünsche, Einfälle und Bedürfnisse bekommen. Der Klassenrat trägt dazu bei, eine Klasse zu einer echten Gemeinschaft zusammenzuschweißen. Da Kinder und Jugendliche über sich selbst bestimmen, finden die Klassenratsergebnisse auch große Akzeptanz“, betonte Benjamin Speth, zuständiger Referent im Pädagogischen Landesinstitut. Demokratisch sei der Klassenrat, weil er dazu führe, die nahe Umgebung als veränderbar wahrzunehmen. „Die Kinder und Jugendlichen erfahren, dass nichts so bleiben muss, wie es ist, weil es schon immer so war. Alles kann besser oder wenigstens anders werden. Eine Klasse entscheidet über ihre Angelegenheiten, hat aber auch grundlegende Regeln, die nicht oder nicht so einfach geändert werden können. Es ist für mich das Lernprogramm zum Selberdenken. Und das ist unglaublich wichtig für eine Demokratie.“

Auch Bildungsstaatssekretär Hans Beckmann ist vom Format Klassenrat überzeugt:  „Die Demokratiebildung an unseren Schulen ist uns sehr wichtig. Schülerinnen und Schüler sollen früh erfahren, was Demokratie bedeutet und wie sie ausgestaltet werden kann. Wir wollen, dass unsere Schülerinnen und Schüler mitmachen und mitgestalten. In der Novellierung unseres Schulgesetzes werden wir deshalb die Mitwirkungsrechte der Schülervertretung weiter stärken und die Schulen unterstützen, schuleigene Demokratietage durchzuführen. Der Klassenrat ist ein hervorragendes Format, weil hier demokratisches Handeln gefordert ist und geübt wird. Daher wünsche ich mir, dass durch den neuen Landeswettbewerb viele Schulen dazu angeregt werden, mit dem Klassenrat Demokratie lebendig werden zu lassen“, so der Staatssekretär.

Für den Wettbewerb waren Klassen und Lerngruppen der Grund- und weiterführenden Schulen aufgefordert, die Durchführung ihrer Klassenräte zu dokumentieren und zu reflektieren, oft geschah dies mit einem selbst gedrehten Film. Eine Jury aus Vertreterinnen und Vertretern des Landtags, des Ministeriums für Bildung und des Pädagogischen Landesinstituts sichtete die eingereichten Beiträge und wählte die überzeugendsten Klassen und Gruppen aus, die anschließend vor Ort zusammen mit Junior-Experten besucht wurden.

Moderiert wurde die Preisverleihung von Clemens Brüchert, Leiter der Koordinierungsstelle „Demokratie lernen und leben“ im Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz, für die musikalische Umrahmung sorgte die Combo des Landesjugendjazzorchesters Rheinland-Pfalz „Phoenix Combo“.

DIE PREISTRÄGER

Insgesamt wurden sechs Preisträger ausgewählt – drei aus dem Bereich der Grund- und Förderschulen und drei aus dem Bereich der weiterführenden Schulen:

• Klasse 6c, Georg-Forster-Gesamtschule Wörrstadt

• Klasse 5b, IGS Ludwigshafen Gartenstadt

• Klasse 5d, Hans-Purrmann-Gymnasium Speyer

• Klasse 4, Regenbogenschule Schalkenbach

• MK8, Grundschule am Biewerbach Trier (klassenübergreifend)

• Schülervertretung, St. Martinus-Schule Reinsfeld (klassenübergreifend)

 
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