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Enquete-Kommission Tourismus: Zurück in die Natur

Zertifikate stärken Bewusstsein für nachhaltiges Reisen

Foto: Pixabay / Pascal Treichler
Foto: Pixabay / Pascal Treichler
07.12.2018 - Nach ihrem Besuch im Nationalpark Hunsrück-Hochwald hat sich die Enquete-Kommission Tourismus in ihrer letzten Sitzung erneut intensiv mit den Themen „Naturerlebnisse“ und „nachhaltiger Tourismus“ beschäftigt. Dazu kamen mehrere Experten aus Wissenschaft und Tourismus zu einer Anhörung ins Mainzer Abgeordnetenhaus.

Nachhaltiges und nahes Reisen liegen im Trend

Die Experten waren sich einig: Die touristische Entwicklung durch das Thema Nachhaltigkeit ist vielversprechend. Denn regionale, saisonale und nachhaltige Reiseangebote lägen voll im Trend. Harald Zeiss, Professor der Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Harz, prognostizierte, dass nationales Reisen immer beliebter wird. Es werde „schicker“, in Deutschland zu reisen. Nachhaltige und ökologische Belange seien dabei prägend. Zeiss rät Rheinland-Pfalz, in die Infrastrukturen zu investieren und E-Mobilitätsangebote für die Reiseziele zu entwickeln. In der Hotelbranche existierten derzeit circa 400 Siegel im Bereich „Nachhaltigkeit“. Zeiss sprach sich deutlich für eine Förderung von Nachhaltigkeitszertifikaten aus. Denn Zertifizierungen führten zu einer systematischen Verankerung von Nachhaltigkeit in den Betrieben und zu mehr Know-how über Nachhaltigkeit. Auch Heike Glatzel von der Futour Umwelt-, Tourismus- und Regionalberatung findet, Zertifizierungen könnten der richtige Weg sein für eine nachhaltige Tourismusentwicklung. Eine Zertifizierung durch eine unabhängige Institution sorge für Transparenz, Überprüfbarkeit und Glaubwürdigkeit.

Naturtourismus belebt die Regionen: Outdoor passt zu Rheinland-Pfalz

Petra Thomas, Geschäftsführerin des Verbands für nachhaltigen Tourismus, bezeichnete den Naturtourismus als starken Treiber für eine Region, gerade mithilfe von Nachhaltigkeitssiegeln. Im Fall von Rheinland-Pfalz rät Thomas zu Spezialisierungen im Outdoorbereich – in „kulinarischen Touren“ oder „Themenstraßen“ könne großes Potenzial liegen. Patrick Schreib, Tourismusdirektor von Baiersbronn Touristik, erklärte, das Tourismuskonzept von Baiersbronn inszeniere Natur, Heimat, Genuss und Qualität unter Aspekten der Nachhaltigkeit.

Gesundheitstourismus braucht besseres Image

Die Enquete diskutierte außerdem über „Gesundheitstourismus und Geschäftsreisende“. Guido Orthen, stellvertretender Vorsitzender des Tourismus- und Heilbäderverbands Rheinland-Pfalz, kritisierte, dass der Gesundheitstourismus in den neuen Geschäftsfeldern der Tourismusstrategie 2025 nicht vorkomme. Dabei wären von über 2 Millionen Übernachtungen pro Jahr im Land etwa 10 Prozent in Vorsorge- und Rehakliniken. Der FDP-Abgeordnete Steven Wink erklärte, Rheinland-Pfalz habe 80 Kurorte und Heilbäder, die hohe Einnahmen generierten. Doch das „verstaubte Image“ der Kurorte und Heilbäder müsse aufgebessert werden. Auch Martin Louis Schmidt von der AfD-Fraktion plädierte dafür, das Image der Kurorte und Heilbäder aufzuwerten – hier läge auch eine Chance, dem Ärztemangel im ländlichen Raum entgegenzuwirken. Jutta Blatzheim-Roegler von der Fraktion Bündnis90/Die Grünen prognostizierte für Rheinland-Pfalz eine „Renaissance“ der Heilbäder – mit Blick auf die Krankenkassen sei interessant, ob bei vorbeugenden Maßnahmen eine Kooperation möglich wäre.

 
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